[Rezension] Ganz normale Helden

Rezension „Ganz normale Helden“ von Anthony McCarten

 
Anthony McCarten  |  Ganz normale Helden  |  Roman, Hardcover Leinen, 464 Seiten | € (D) 22.90 / sFr 32.90* / € (A) 23.60Autor: Anthony McCarten
Titel: Ganz normale Helden
Jahr: 2012
Verlag: Diogenes
Seiten: 464
Genre: Gegenwartsliteratur
Preis: 22,90 €uro
ISBN: 978-3-257-06794-1
Hardcover
Leseprobe

Inhalt

Jim hat schon einen Sohn verloren, seine Familie zerbricht daran. Als dein auch noch sein Ältester ohne Hinweis auf seinen Aufenhaltsort verschwindet, begibt er sich in die Weiten des World Wide Web. In einem Online-Rollenspiel sucht er seinen Sohn, dafür muss er aber einen gewissen Rang erreichen. Steht Gefahren durch und trifft Entscheidungen. Für Jim bedeutet dieses Spiel, diese Suche, alles. Gelingt es ihm seinen Sohn zu finden.

50 % der Personen, die online gehen, machen flasche Anga-
ben über Alter, Gewicht, Beschäftigung, Beziehungsstatus
und Geschlecht
20 % der Personen, die online gehen, berichten von eindeu-
tig negativen Auswirkungen auf ihr Leben.
Das Internet spielt eine Rolle bei fast 50 % aller Familien-
und Beziehungskrisen.
11 % der Personen, die online gehen, entwickeln Zwangs-
oder Suchtverhalten.
Frauen sind mittlerweile häufiger online als Männer
Quelle: Das Internet

aus dem Buch vor dem Inhaltsverzeichnis

Umgebung

Die Ereignisse der Geschichte spielen im modernen England. Das meiste wird aus der Er-Erzählerperspektive von Jim erzählt. Einzelne Abschnitte handeln auch von seiner Frau Renata und seinem Sohn Jeff. Der Schreibstil des Autors besteht aus vielen langen Sätzen. Mal verschachtelt, mal sind es viele Aufzählungen. Es gibt verhältnismäßig wenig Dialoge. Vieles sind die Gedanken der Protagonisten oder Chatprotokolle. Der Leser verfolgt die Grübeleien, dennoch ist es angenehm zu lesen und der Leser findet schnell Zugang zu den Gedanken.

Eine einsame Eule tief in den Wäldern, das Rauschen von Zweigen und Blättern, und wenn er nur angestrengt genug lauscht, hört er womöglich die sagenhaften Wesen seiner Kindheit, von denen er als Junge glaubte, dass sie jeden englischen Wald bevölkern – Elfen, Gnome, Kobolde, Waldgeister, die des Nachts emsig zwischen Kräutern, Wurzeln und Laub ihren Geschäften nachgehen. Seite 71

Personen

Jim ist Ende vierzig, Anwalt und ist Inhaber einer großen Kanzlei. Nach dem Tode seines Sohnes Donald vor fast einem Jahr ist er in seinem Job unkonzentrierter, das Verschwinden von Jeff steigert dies noch. Er braucht die Arbeit, um nicht zu Hause zu sein, wo der Verlust jeden Gedanken beherrscht. Seine Frau und er schlafen mittlerweile in getrennten Zimmern. Den Zugang zu seinem ältesten Sohn konnte er nicht finden. Bevor dieser abgehauen ist gab es nur Streit.

Renata trifft der Tod ihres Sohnes sehr schwer. Sie wird depressiv. Ihrer Meinung nach unterstützt sie ihr Mann nicht genügend. Alle Konflikte mit Jeff muss sie selbst lösen. Das Vertrauensverhältnis zu ihrem Mann hat nachgelassen, sie macht alles mit sich alleine und Gott aus.

Jeff ist 18 Jahre alt, somit in einer Lebensphase, wo sich ohnehin schon alles ändert und ein junger Mann viele Entwicklungen durch macht. Er hat seinen jüngeren Bruder geliebt und vermisst ihn sehr. Mit dem Verlust scheint Jeff aber besser klar zu kommen als seine Eltern. Er bleibt in dem Haus, welches von der traurigen Stimmung erfüllt ist um eine Trennung seiner Eltern zu verhindern. Bis er es nicht mehr aushält und verschwindet.

Bewertung

„Ganz normale Helden“ sind Helden des Alltags. Eine Familie, die versucht ihre Trauer zu verarbeiten. Ein Vater, der seinen Sohn zurückholen möchte. Ein Mann der sich endlich durchsetzt. Ein junger Mann, der sich endlich seine eigenen Wünsche erfüllt. Menschen, die, so schwer es auch ist, versuchen die Wahrheit zu sagen und das richtige zu tun. Viele dieser Aufgaben meistern die Menschen jeden Tag. Und doch geht es in diesem Buch auch um das Medium Internet. Was es uns gibt und uns ermöglicht. Anonym Menschen kennen lernen, ganz offen über alles reden zu können. Menschen finden, denen man sich anvertrauen kann. Aber auch die Gefahren. Abhängigkeit, Gleichgültigkeit gegenüber dem normalen Leben und auch den Bedrängnissen, sobald die Anonymität weg ist.
Mich hat dieses Buch sehr berührt. Nicht aufgrund des Todes des Kindes, den dieser liegt vor der Geschichte. Nein, sonder viel mehr, weil es zeigt, wie sich Menschen von einander entfernen und es erst merken wenn es fast zu spät ist. Wie schwer der Weg zurück ist. Vieles geht kaputt und muss erst wieder aufgebaut werden. Ich selber musste erkennen, dass man selber dazu neigt, die Dinge mit sich selbst auszumachen und dadurch die lieben Menschen in seinem Leben abweist.

Cover

Ein typisches Diogenes Cover. Weißer Einband mit einem kleinen Bild. Welches herab gefallenes Laub, Wasser und Füße zeigt. Traurig und passend zur Stimmung im Buch.

Fazit

Chancen und Gefahren des Internets eingebaut in eine Geschichte, die einem zum Nachdenken anregt.

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